Tierpsychologie

Lernverhalten beim Hund: Wie funktioniert es?

Wer das Lernverhalten beim Hund versteht, kann ihm leichter Kommandos und andere erwünschte Verhaltensweisen beibringen. Dabei nimmt der Vierbeiner über seine Sinnesorgane bestimmte Informationen wahr, verarbeitet sie im Gehirn und speichert sie im Gedächtnis, wo er sie dann abrufen kann. Was das für Sie und die Hundeerziehung bedeutet, verraten Ihnen die folgenden Tipps.

"Herr Lehrer, ich weiß die Lösung!", meldet sich dieser brave Basenji, der mit seinem Lernverhalten ein bisschen angibt – Shutterstock / Verbitskaya Juliya

"Herr Lehrer, ich weiß die Lösung!", meldet sich dieser brave Basenji, der mit seinem Lernverhalten ein bisschen angibt – Shutterstock / Verbitskaya Juliya

Das Lernverhalten beim Hund lässt sich in obligatorisches und fakultatives Lernen unterscheiden. Das, was er zum Überleben braucht, gehört zum obligatorischen Lernen. Alles, was darüber hinausgeht, wie Kommandos vom Menschen, Tricks und Hundesport, fällt in den Bereich des fakultativen Lernens. Beides folgt jedoch den gleichen Lernprozessen; dabei spielen sowohl assoziatives Lernverhalten als auch Lernen durch Beobachtung und Nachahmung eine Rolle.

Assoziatives Lernverhalten beim Hund

Das assoziative Lernverhalten beruht auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung beziehungsweise Reiz und Reaktion. Ihr Hund verknüpft dabei innerhalb einer halben Sekunde einen bestimmten Reiz mit einer entsprechenden Reaktion. Macht er die Erfahrung, dass auf denselben Reiz immer dieselbe Reaktion folgt, speichert er das als Regel ab und merkt sich diese. Will er künftig diese Wirkung erzielen, weiß er, dass er zunächst für die Ursache sorgen muss.

Als Beispiel: Sie wollen Ihrem Hund das Kommando "Sitz" beibringen. Am Anfang sagen Sie so lange "Sitz", bis Ihr Vierbeiner sich tatsächlich hinsetzt, und belohnen dies sofort mit einem Leckerli. Wenn Sie das oft genug so wiederholen, wird Ihr schlaues Kerlchen verstehen, dass er etwas Angenehmes dafür bekommt, sobald er sich auf das Kommando "Sitz" hinsetzt. Zu Beginn werden Sie viele Leckerlis brauchen, um ihn zu motivieren, doch allmählich speichert Ihr Hund die wesentliche Information ab – dass es angenehm ist, auf Ihr Kommando zu hören.

Um das assoziative Lernverhalten zu festigen, also Hunde dazu zu bringen, dass sie eine bestimmte Ursache-Wirkung-Regel verinnerlichen und sie automatisch abrufen, ist der Einsatz von positiver und negativer Verstärkung in der Hundeerziehung hilfreich. Bei Ersterem bekommt das Tier eine Belohnung und es wird etwas Angenehmes hinzugefügt. Bei Letzterem wird etwas Unangenehmes behoben. Darüber hinaus gibt es noch die (umstrittene, da mit aversiven Trainingsmethoden arbeitende) positive Bestrafung. Dabei bekommt der Hund eine unangenehme Wirkung auf unerwünschtes Verhalten zu spüren. Die negative Bestrafung unterbricht etwas Angenehmes.

Zieht Ihr Vierbeiner zum Beispiel beim Spazierengehen an der Leine, besteht die negative Bestrafung darin, dass Sie stehenbleiben. Entspannt er sich, gehen Sie weiter und wenden negative Verstärkung an. So lernt er nach und nach, dass das schöne Spazierengehen unterbrochen wird, wenn er an der Leine zieht, und weitergeht, wenn er damit aufhört. Positive Bestrafung in diesem Fall wäre ein Leinenruck, positive Verstärkung ein Lob, Streicheln oder Leckerli, wenn sich der Hund entspannt.

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Soziales Lernverhalten durch Beobachtung und Nachahmung

Das Lernverhalten des Hundes funktioniert jedoch nicht nur über das Sammeln eigener Erfahrungen und daraus resultierenden Assoziationen. Auch Beobachtung, gefolgt von Nachahmung, ist eine wichtige Lernmethode. Das soziale Lernverhalten der Hunde untereinander beruht zu einem großen Teil auf Beobachtung und Nachahmung; die kleinen Welpen schauen sich von den älteren Rudelmitgliedern und ihren Eltern alles Wichtige in Sachen Hundekommunikation und Hundeverhalten ab. Dazu gehören etwa Gefahren, Informationen über potenzielle Feinde, aber auch über Futterquellen und andere Ressourcen.

Die Jungtiere beobachten bei den erfahrenen Hunden, dass auf ein bestimmtes Verhalten eine entsprechende Wirkung folgt. Wollen sie diese Wirkung erreichen, probieren sie selbst das beobachtete Verhalten aus – und schon ist der Lernprozess in vollem Gang. Mit der Zeit begreifen die Lernwilligen, dass es sich für sie lohnt, auf das Verhalten ihrer Artgenossen zu achten und es gegebenenfalls nachzuahmen. Dies können Sie sich für die Hundeerziehung zunutze machen, indem Sie Ihrem Vierbeiner vermitteln, dass es sich für ihn auszahlt, Sie zu beobachten und gegebenenfalls Ihr Verhalten nachzuahmen oder auf ein Kommando eine entsprechende Verhaltensweise zu zeigen.

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