Tierschutz

Kupieren von Hunden in Deutschland verboten

Beim Kupieren von Hunden werden den Vierbeinern die Ohren oder die Rute abgeschnitten, in der Regel bereits im Welpenalter. Lange Zeit zählte dieser Eingriff zu den geforderten Standards bestimmter Rassen wie dem Dobermann – zum Glück ist der Eingriff in Deutschland, Österreich und der Schweiz inzwischen verboten.

Das Kupieren von Hunden an den Ohren und der Rute war beim Dobermann lange Zeit üblich – Shutterstock / DragoNika

Das Kupieren von Hunden an den Ohren und der Rute war beim Dobermann lange Zeit üblich – Shutterstock / DragoNika

Seit 1987 ist in Deutschland das Kupieren von Hunden an den Ohren, seit 1998 auch am Schwanz verboten. Nur, wenn der Eingriff aus medizinischen Gründen nicht vermeidbar ist, oder wenn Sie Ihren Hund zur Jagd nutzen wollen und er dazu unbedingt eine kupierte Rute braucht, sind Ausnahmen erlaubt.

Kupieren von Hunden: Was ist das?

Der Begriff "Kupieren" kommt aus dem Französischen; dort bedeutet das Wort "couper" so viel wie "abschneiden". Beim Kupieren von Hunden an den Ohren werden diese in eine spezielle Schablone, einer sogenannten Kluppe aus Metall, eingeklemmt. Dies geschieht bereits bei Welpen im Alter zwischen sieben und 14 Wochen. Der überstehende Teil des Ohres wird abgeschnitten, die durchtrennten Adern werden abgedrückt und die Schnittwunde vernäht. Anschließend werden die Ohren, damit sie später aufrecht stehenbleiben, mit Klebeverband über dem Hundekopf befestigt.

Auf diese Weise ziehen sich die Wundränder nicht wieder zusammen. Eine Woche nach dem Eingriff müssen die Ohren mit einem auf dem Kopf platzierten Gestell oder mit Wattetampons hochgeklebt und gestützt – und aus Schlappohren werden spitze, aufrechte Ohren. Der Hund muss währenddessen oft mit Antibiotika behandelt werden, damit sich die Schnittwunde nicht entzündet.

Das Kupieren von Hunden an der Rute findet bereits im Neugeborenenalter der Welpen mit einem bis drei Tagen statt. Die Hundebabys werden dabei normalerweise unter Narkose gesetzt, teilweise wird der Eingriff jedoch auch unter lokaler Betäubung durchgeführt. Die Haut wird um den Schwanz herum an der gewünschten Stelle rundherum eingeschnitten und zurückgezogen. Dann kappt der Tierarzt die Rute zwischen den Wirbeln und vernäht gegebenenfalls die Wunde; meist wächst sie jedoch auch ohne Vernähen wieder zusammen. Auch hier muss der Hund oft Antibiotika bekommen sowie Schmerzmittel.

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Warum das Kupieren von Hunden verboten ist

Im Paragraph 6 des Tierschutzgesetzes steht: "Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen [...] eines Wirbeltieres." Das Kupieren von Hunden aus optischen Gründen ist einfach grausam, da die Heilung insbesondere der Ohren langwierig und anfällig für Komplikationen ist. Der Hund verspürt außerdem starke Schmerzen und er wird mit den Ohren und der Rute zwei seiner wichtigsten Kommunikationsmittel beraubt.

Seit 2010 sind sämtliche Rassestandards, die das Kupieren von Hunden erfordern, aus den FCI-Formulierungen gestrichen. Die "Fédération Cynologique Internationale" ist der größte Dachverband für das Hundewesen mit Sitz in Belgien. Kupierte Hunde dürfen zudem in Deutschland nicht mehr ausgestellt werden, auch, wenn sie aus dem Ausland kommen, wo das Kupieren von Hunden noch nicht verboten ist. Darüber hinaus dürfen die Tiere nicht zum Kupieren ins Ausland gebracht werden.

Gibt es Ausnahmen vom Verbot?

Ausnahmen sind nur in Einzelfällen erlaubt, nämlich nach "tierärztlicher Indikation" oder wenn es "bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerlässlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen." Also nur, wenn Ihr Vierbeiner nachweislich mehr Nutzen als Schmerzen durch das Kupieren hat, ist es erlaubt. Hat er zum Beispiel einen Tumor an den Ohren oder am Schwanz oder ist die Rute abgerissen, gehört das zu den tierärztlichen Indikationen. Jäger argumentieren, dass Hunde mit langen Ruten sich beim Stöbern im Gestrüpp und dichten Unterholz verletzen könnten.

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