Hunderassen im Portrait

Herdenschutzhunde, Hütehunde, Hirtenhunde: Unterschied?

Hirtenhunde, Herdenschutzhunde, Hütehunde: Wenn es um Hunderassen geht, die ursprünglich als Gebrauchshunde für Schäfer und andere Hirten gezüchtet wurden, herrscht ein ziemliches Begriffsdurcheinander. Dabei ist es wichtig, die einzelnen Hunderassen auseinanderzuhalten und sich ihrer Aufgaben und Bedürfnisse bewusst zu sein, damit eine artgerechte Haltung möglich ist und eventuelle Verhaltensauffälligkeiten vermieden werden.

Sind Deutsche Schäferhunde eigentlich Hirtenhunde, Hütehunde oder Herdenschutzhunde? – Shutterstock / miroslavmisiura

Sind Deutsche Schäferhunde eigentlich Hirtenhunde, Hütehunde oder Herdenschutzhunde? – Shutterstock / miroslavmisiura

Sind Hirtenhunde dasselbe wie Herdenschutzhunde oder ein Oberbegriff für alle Hunderassen, die mit Hirten zusammenarbeiten, also auch für Hütehunde? Oder ist der Hirtenhund eine eigenständige Rasse? Es ist nicht einfach, dieses Kuddelmuddel zu entwirren ... wie Sie dennoch die unterschiedlichen Hunderassen auseinanderhalten können, erfahren Sie hier.

Gemeinsamkeiten der Herdenschutzhunde, Hütehunde und Hirtenhunde

Wie auch immer man die einzelnen Hunderassen nennt, gemeinsam ist ihnen, dass sie als Gebrauchshunde für die Herdenarbeit gezüchtet wurden. Meistens sind es Schafherden, um die sich Hirtenhunde, Herdenschutzhunde und Hütehunde kümmern. Doch auch Ziegenherden oder Kuhherden können davon profitieren, wenn ein Hund, der zu diesem Zweck gezüchtet und erzogen wurde, sie behütet und beschützt. Die Vierbeiner sind intelligent und lernen schnell, neigen aber mehr oder weniger zu Eigensinn. Außerdem haben sie für gewöhnlich neben der Herdenarbeit noch andere Aufgaben und passen zum Beispiel auf den Hof und die Familie ihres Hirten auf.

Welche Aufgaben haben Herdenschutzhunde?

Der Begriff der Herdenschutzhunde stammt aus dem Englischen. Dort heißen diese Hunde "Livestock Protection Dogs" und "Herdenschutzhund" ist die wörtliche Übersetzung. Denn es ist in der Tat die Hauptaufgabe eines Herdenschutzhundes, die ihm anvertraute Herde vor Raubtieren und anderen Eindringlingen zu schützen und eventuelle Angreifer zu vertreiben. Leider ist der Begriff teils mit Vorurteilen behaftet. Früher verstand man unter einem Schutzhund ein aggressives Tier, das eine niedrige Reizschwelle hat und jeden, der sich seinem Halter, seiner Familie oder seinem Besitz nähert, sofort angreift.

Dies wurde den Hunden mit Drill und teils mit Gewalt antrainiert. Heutzutage hat zum Glück ein Umdenken stattgefunden, und Schutzhunde werden mit viel Liebe, Konsequenz, Geduld und artgerechtem Training zu verlässlichen Begleitern ausgebildet, die nur dann Schutz bieten, wenn es auch nötig ist und ansonsten in sich ruhen, selbstbewusst und gehorsam sind und ihren Haltern absolut vertrauen. Dies funktioniert jedoch nur mit der richtigen Ausbildung. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber "Schutzhundesport: Training für angehende Schutzhunde".

Gleichzeitig droht beim Begriff "Herdenschutzhunde" jedoch auch Verwechslungsgefahr mit Schäferhunden, Hirtenhunden und Hütehunden, die einen weniger ausgeprägten Schutzinstinkt in sich tragen und andere Anforderungen an Haltung, Erziehung und Beschäftigung haben. So kann es dazu führen, dass Herdenschutzhunde aus Unwissen nicht rassegemäß eingesetzt werden und dann tatsächlich zu Verhaltensauffälligkeiten neigen, die teils gefährlich sein können. Solche Hunde brauchen – wenn schon keine Herde – dann doch ein großes Grundstück, das sie bewachen dürfen. Zu bedenken ist, dass die Rassen auf Selbstständigkeit gezüchtet wurden, sodass sie nur schwer eine Bindung zu ihrem Halter aufbauen und eher eigene Entscheidungen treffen, anstatt Gehorsam zu zeigen. Unerfahrene Hundefreunde, die noch dazu nur einen kleinen bis gar keinen Garten haben, stoßen schnell an ihre Grenzen. Auch für Hundesport lassen sie sich oft nicht begeistern. Zu den Herdenschutzhunden gehören zum Beispiel der Akbash, der Kangal oder der Karabash.

Herdenschutzhunde in Not: So können Sie helfen Ansehen

Wofür Hütehunde zuständig sind

Hütehunde arbeiten in der Regel mit dem Hirten zusammen. Je nach Größe der Herde gibt es auch mehrere Hütehunde, die sich gemeinsam darum kümmern, dass die Herde zusammenbleibt, sicher von einer Weide zur nächsten oder zurück in den Stall kommt. Ein Hütehund kann außerdem einzelne Tiere aus der Herde herausholen, zum Beispiel wenn es krank ist. Sie können zwar auch eigenständig arbeiten, achten dabei jedoch stets auf ihren Halter und seine Weisungen. Ihr Gehorsam und Lernbereitschaft sind daher sehr ausgeprägt, ebenso die Motivation, mit ihren Haltern zu kommunizieren und eine Bindung zu ihnen herzustellen. Typische Hütehunde sind zum Beispiel Border Collie, Australian Shepherd und Shetland Sheepdog (Sheltie).

Und was sind Hirtenhunde?

Auch darüber, was genau Hirtenhunde sind, scheiden sich die Geister. Die einen sagen, dass "Hirtenhund" die eigentlich korrekte Bezeichnung für "Herdenschutzhund" sei. Andere sehen Hirtenhunde als Oberbegriff für Hütehunde und Herdenschutzhunde. Und wieder andere sehen sie als eigenständige Rassen, die sowohl die Herde hüten als auch schützen und dem Hirten als Begleithund dienen können. Als Hirtenhunde gelten etwa der Belgische Schäferhund, der Deutsche Schäferhund und der Bobtail.

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