Hunderassen im Portrait

Herdenschutzhunde in Not: So können Sie helfen

Geraten Herdenschutzhunde in Not, haben sie es schwerer als andere Hunderassen, ein geeignetes neues Zuhause zu finden. Die kurz "HSH" genannten Rassen zeichnen sich durch Eigenständigkeit, Territorialverhalten und einen ausgeprägten Schutztrieb aus und gehören unbedingt in erfahrene Hände. Leider wissen nicht alle Tierschutzorganisationen, die die Vierbeiner üblicherweise im Ausland von der Straße retten wollen, was es mit diesen besonderen Hunden auf sich hat. Gute Absichten allein reichen aber bei ihrer Haltung und Erziehung nicht aus. Worauf Sie achten müssen, wenn Sie Herdenschutzhunden wirklich helfen wollen, erfahren Sie hier.

Der Pyrenäenberghund sieht zwar plüschig und niedlich aus, doch auch er ist ein Herdenschutzhund, der einen erfahrenen Hundehalter braucht – Shutterstock / Schubbel

Der Pyrenäenberghund sieht zwar plüschig und niedlich aus, doch auch er ist ein Herdenschutzhund, der einen erfahrenen Hundehalter braucht – Shutterstock / Schubbel

Aus dem Ausland werden von wohlmeinenden, aber unerfahrenen Tierschützern manchmal Herdenschutzhunde in Not aufgelesen und in Deutschland an ebenso ahnungslose Hundehalter vermittelt. Stellt sich dann heraus, dass die neuen Besitzer mit dem ausgeprägten Territorialverhalten und Schutztrieb des Hundes nicht umgehen können, kann eine Odyssee für die armen Tiere beginnen, in der sie von Familie zu Familie, von Tierheim zu Tierheim weitergereicht werden. Mit den folgenden Tipps können Sie dabei helfen, das zu verhindern.

Hilfe für Herdenschutzhunde in Not: Rassetypische Merkmale

Herdenschutzhunde werden meist mit HSH abgekürzt; das steht für Hirtenhunde mit primär Schutzfunktion und sekundär Herdengebrauchshundqualitäten. Das bedeutet, dass bei diesen Hunderassen die Schutzfunktion im Vordergrund steht. Sie sind keine Schäferhunde, wie ihr Name vermuten lassen könnte. Schäferhunde – auch Herdengebrauchshunde genannt – sollen die Herde zusammenhalten und mit dem Schäfer zusammenarbeiten. HSH werden gezüchtet, um die Herde auch in Abwesenheit des Hirten vor Raubtieren, Dieben und anderen Angreifern zu beschützen. Es ist also genetisch in ihrem Wesen verankert, ruhig, aber wachsam zu bleiben, und bei Gefahr blitzschnell mit Verteidigung zu reagieren. Dabei arbeiten sie weitgehend selbstständig und entscheiden allein, was eine Gefahr für ihre Herde und ihr Territorium darstellt und was nicht.

Nun können Herdenschutzhunde dieses Denken und Verhalten nicht einfach ablegen, wenn sie plötzlich als Haus- und Familienhund gehalten werden. Wenn sie keine Herde bewachen müssen, passen sie auf ihre Bezugspersonen und auf ihr selbst festgelegtes Territorium auf. Das kann zu Problemen führen, denn ein HSH betrachtet alles, was er überblicken kann, als sein Revier, also auch die Wege und die Umgebung beim Spaziergang, nicht nur den eigenen Garten. Dabei kann er es bereits als Gefahr ansehen, wenn sich ein Passant oder ein anderer Hund nähert – dann schaltet er in den Verteidigungsmodus. Helfen die Drohungen nichts, kann es schlimmstenfalls zum Angriff kommen. Ein HSH, der nicht genug gefordert wird und nicht ausgelastet ist, kann außerdem einen ausgeprägten Jagdtrieb entwickeln.

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Herdenschutzhunde in Not: Vorsicht vor falsch verstandenem Tierschutz

Es gibt viele verschiedene Tierschutzorganisationen, die Straßenhunde und andere Vierbeiner in Not im Ausland aufsammeln, gesund päppeln und versuchen, sie in Deutschland zu vermitteln. Das ist eine ehrenvolle Tätigkeit und es ist ein großes Glück für die Tiere, dass es solche lieben Menschen gibt. Leider gehen manche Tierschützer mit etwas zu viel Naivität und zu wenig Fachkenntnissen ans Werk, andere Organisationen sind unseriös und wollen aus den armen Hunden Profit schlagen.

Die Folge davon kann sein, dass sich Herdenschutzhunde in Not oder Mischlinge unter den Kaltschnäuzern befinden, die sich eigentlich gar nicht als Familienhunde oder Haus- und Kuscheltiere eignen. Da jedoch die meisten Menschen einen Hund als Familienmitglied suchen, werden diese besonderen Rassen von unerfahrenen Tiervermittlern als kinderlieb, menschenbezogen, umgänglich und freundlich beschrieben – und damit werden falsche Erwartungen geweckt. Merken die neuen Besitzer, dass sie dem Herdenschutzhund nicht gewachsen sind und ihn wieder abgeben müssen, ist das für das Tier schrecklich. In diesem Fall wäre es womöglich auf der Straße besser aufgehoben gewesen.

Wann ein Herdenschutzhund für Sie geeignet ist

Eine Auswahl mit HSH-Rassen finden Sie auf der rechten Seite dieses Artikels. Handeln Sie nicht zu vorschnell und lassen Sie sich nicht von einem niedlichen HSH-Welpen "um den Finger wickeln", wenn Sie einem Hund in Not helfen wollen. Wenn Sie keine Erfahrung mit Herdenschutzhunden haben, ist eine andere Hunderasse höchstwahrscheinlich besser für Sie geeignet. Kennen Sie sich jedoch mit den Bedürfnissen dieser Vierbeiner aus, ist das schon mal ein guter Anfang. Darüber hinaus sind HSH auf dem Land in einer dünn besiedelten Gegend besser aufgehoben als in der Stadt. Toll ist ein sehr großer Garten mit einem Hundezaun, den Ihr Herdenschutzhund bewachen kann. Ideal ist es, wenn Sie selbst Nutztiere halten, auf die er aufpassen kann. Bei Spaziergängen läuft Ihr HSH am besten immer an der Leine, und die Bezugsperson ist optimaler Weise kräftig und groß genug, um den Vierbeiner festzuhalten, wenn sein Jagd- oder Schutztrieb doch einmal übers Ziel hinausschießt.

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