Zahnpflege

FORL bei Katzen: Rätselhafte Zahnerkrankung

FORL steht für "Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen" und ist eine weit verbreitete, tückische Zahnerkrankung bei Katzen. Fast jede dritte Katze ist insgesamt von den schmerzhaften Zahnschäden betroffen, deren Ursache noch immer nicht ganz klar ist. Lesen Sie hier, was die Folgen der Krankheit sind und wie sie sich behandeln lässt.

Die Zahnerkrankung FORL befällt fast ein Drittel aller Katzen im Laufe ihres Lebens – Shutterstock / DavidTB

Die Zahnerkrankung FORL befällt fast ein Drittel aller Katzen im Laufe ihres Lebens – Shutterstock / DavidTB

Mit steigendem Alter erhöht sich das Risiko, an FORL zu erkranken. Rund jede zweite Katze über 5 Jahren leidet daran. Im Verlauf der Zahnerkrankung löst sich die sogenannte Zahnhartsubstanz immer weiter auf. Am Anfang betrifft dies die Zahnwurzel, doch später greifen die Schäden auch auf die Zahnkrone über – die Zähne brechen ab und die scharfen Kanten an der Bruchstelle führen meist zu schmerzhaften Entzündungen.

Was ist FORL bei Katzen für eine Krankheit?

Bei FORL handelt es sich allem Anschein nach um eine Autoimmunerkrankung. Diese Art von Krankheiten entsteht, wenn der eigene Körper plötzlich anfängt, eigentlich gesunde Zellen anzugreifen und zu zerstören. Körpereigene Zellen entwickeln sich zu aggressiven Zellen, die die Zahnhartsubstanz auflösen. Diese zerstörerischen Zellen nennt man "Odontoklasten".

Es entstehen Löcher in den Zähnen, die in der Fachsprache Läsionen heißen, und sich resorptiv verhalten – das bedeutet, dass sie immer mehr der schädlichen Zellen aufnehmen und sich laufend vergrößern. So kommt der Name der Zahnerkrankung zustande: Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen. "Feline" bedeutet, dass die Zahnschäden ausschließlich Katzen betreffen. FORL geht zwar mit Löchern in den Zähnen einher, hat aber mit Karies nichts zu tun.

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Ursachen der Zahnerkrankung stellt Wissenschaftler vor Rätsel

Generell steht die Forschung zu Autoimmunerkrankungen noch am Anfang. Man weiß zwar inzwischen bei den meisten Autoimmunerkrankungen, wie diese verlaufen. Doch was die Ursache dafür ist, dass der eigene Körper auf einmal gesunde Zellen angreift und zerstört, ist noch ungeklärt. So ist es auch bei FORL. Es ist bekannt, was bei der Krankheit passiert, aber nicht, warum dies passiert.

Allerdings gibt es ein paar Risikofaktoren, die offenbar die Entstehung von FORL bei einer Katze begünstigen:

Zahnstein

● Häufige / chronische Zahnfleischentzündungen

● Parodontitis

● Kalziummangel

Im Verdacht stehen außerdem bestimmte Viren, ein gestörtes Immunsystem sowie eine häufige Reizung von Zähnen und Zahnfleisch ("mechanischer Stress"). Eine zeitlang vermutete man, dass Fertigfutter aus der Dose die Zahnschäden verursacht. Doch inzwischen gilt dies als widerlegt – sofern es sich um hochwertiges Alleinfuttermittel handelt, das alle nötigen Nährstoffe enthält.

Fehler beim Barfen können hingegen zu einem Kalziummangel führen, was wiederum als erheblicher Risikofaktor für FORL gilt. Die Rohfleischmahlzeiten müssen stets mit Vitamin- und Mineralpulvern ergänzt werden, um dies zu verhindern.

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Hat Ihre Katze FORL? Symptome erkennen

Das Tückische an FORL ist, dass Ihre Katze erst dann offensichtliche Symptome zeigt, wenn die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten ist und die betroffenen Zähne irreparabel zerstört sind. Die Schäden entstehen zuerst im nicht sichtbaren Bereich der Zähne unterhalb des Zahnfleischs. Zudem verdecken Zahnstein und Zahnfleischentzündungen häufig die bereits entstandenen Löcher. Wenn FORL sich so stark ausgebreitet hat, dass es zu Zahnschmerzen kommt, können Sie das vor allem durch ein verändertes Fressverhalten Ihrer Katze bemerken:

● Sie frisst kein Trockenfutter mehr oder verweigert plötzlich Nassfutter

● Sie kaut nur auf einer Seite

● Sie schreit beim Fressen vor Schmerzen auf

● Sie nimmt Futterbröckchen auf und lässt sie gleich wieder fallen

● Sie sitzt zwar vor ihrem Napf, frisst aber nichts oder nur sehr wenig

Weitere mögliche Symptome für FORL sind:

Mundgeruch

● Zähneknirschen

Vermehrtes Speicheln

Katze hält den Kopf schief

● Scheinbar "hochwachsendes" Zahnfleisch, das die Krone zum Teil bedeckt

Außerdem sind Entzündungen im Mundbereich bei FORL typisch. Es gibt jedoch auch mildere Formen, die ohne Entzündungen ablaufen. Im späteren Verlauf können Sie schließlich die abgebrochenen Zähne mit bloßem Auge erkennen, wenn Sie Ihrer Katze ins Maul schauen. Eine endgültige Diagnose kann jedoch nur durch eine Röntgen-Untersuchung unter Narkose beim Tierarzt erfolgen.

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FORL bei Katzen: Therapie durch Zähneziehen?

FORL ist nach derzeitigem Forschungsstand leider unheilbar, da nichts über die eigentliche Ursache bekannt ist. Fest steht: Mit Hausmitteln oder Homöopathie können Sie gegen FORL nichts ausrichten. Die einzige mögliche Therapie gegen die Zahnerkrankung besteht darin, die betroffenen Zähne ziehen zu lassen. Das geschieht unter Narkose. Um Ihre Katze nicht unnötig zu belasten, werden die Zähne in der Regel direkt im Anschluss an die Diagnose gezogen, in derselben Narkosesitzung. Danach wird die Wunde vernäht. Auch mit weniger Zähnen oder ganz zahnlos können Katzen fressen, sofern das Futter weich und die Stücke klein genug sind.

Darüber hinaus können Sie mit regelmäßiger Zahnpflege, hochwertigem Futter oder richtig durchgeführtem Barfen das Risiko einer Zahnerkrankung senken – oder die Schäden von FORL in Grenzen halten. Überprüfen Sie des Öfteren auch ohne Symptome für Zahnschmerzen den Mundraum Ihrer Katze, damit Sie bei Auffälligkeiten gleich zum Tierarzt gehen können. Wird FORL früh erkannt, müssen weniger Zähne gezogen werden.

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