Erziehungstipps

Positive Verstärkung in der Katzenerziehung nutzen

In der Hundeerziehung ist positive Verstärkung schon seit Längerem ein Begriff, doch auch zur Katzenerziehung können Sie diese Methode nutzen. Dabei geht es im Wesentlichen darum, erwünschtes Verhalten zu belohnen. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie hier.

"Positive Verstärkung, heißt das, ich bekomme jetzt ein Leckerli?", hofft diese süße Glückskatze – Shutterstock / Alexey Savchuk

"Positive Verstärkung, heißt das, ich bekomme jetzt ein Leckerli?", hofft diese süße Glückskatze – Shutterstock / Alexey Savchuk

Unsere Samtpfoten haben bekanntlich ihren eigenen freien Willen, trotzdem ist Katzenerziehung kein Ding der Unmöglichkeit. Am zielführendsten ist dabei die sogenannte positive Verstärkung. Wenn Ihre Miez bemerkt, dass sie für ein bestimmtes Verhalten belohnt wird, tut sie dies öfter – und das ganz ohne Zwang und Druck.

Was ist positive Verstärkung?

Der Begriff "Verstärkung" kommt aus dem Behaviorismus, einer psychologischen Richtung, die sich mit dem Verhalten von Lebewesen beschäftigt. Die Verstärkung spielt bei der sogenannten Konditionierung eine Rolle, bei der untersucht wird, wie Tiere und Menschen durch das Erleben des Prinzips von Ursache und Wirkung lernen können. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel "Der Pawlowsche Hund und die klassische Konditionierung". Bei der Verstärkung lernen die Lebewesen, ein bestimmtes Verhalten häufiger zu zeigen. Dem steht die Bestrafung entgegen, die zum Ziel hat, dass ein bestimmtes Verhalten seltener gezeigt werden soll.

Positive Verstärkung heißt, dass auf ein Verhalten etwas folgt, das zum Beispiel Ihre Katze als angenehm empfindet. Mit anderen Worten: eine Belohnung. Ihr schlauer Stubentiger wird recht schnell begreifen, welche Handlungen sich für ihn lohnen und welche nicht. Das passiert oft auch unabsichtlich. Haben Sie beispielsweise beobachtet, dass Ihre Katze immer miauend neben ihnen steht, sobald Sie die Kühlschranktür geöffnet haben? Das ist auf positive Verstärkung zurückzuführen, denn Ihre kluge Miez hat verstanden, dass das Geräusch der Kühlschranktür "Futter" bedeuten könnte, und dass sie mit ihrem Miauen Sie dazu bringen kann, ihren Napf aufzufüllen.

Wenn Sie das dann auch tatsächlich tun, hat sich Ihre Fellnase unbewusst ebenfalls die positive Verstärkung zunutze gemacht – schließlich ist eine glücklich schnurrende Katze, die sich scheinbar über ihren vollen Napf freut, für Sie wiederum eine Belohnung. Das heißt, Sie werden die Handlung "Napf auffüllen" auf den Reiz "Katze miaut" nun häufiger ausführen.

Katzenerziehung: Sind Strafen und Schimpfen unnütz? Ansehen

Positive Verstärkung in der Katzenerziehung anwenden

Wollen Sie zum Beispiel, dass Ihre Katze auf ihren Namen hört, können Sie sie immer dann rufen, wenn es Futter gibt. Ihre Samtpfote merkt dann, wenn sie den Klang ihres Namens hört und daraufhin zu Ihnen kommt, lohnt sich das für sie, denn sie bekommt etwas zu essen. Danach können Sie sie auch rufen, wenn es darum geht, mit Ihrer Katze aufs Sofa zu kuscheln und sie zu streicheln. Erst wird sie sich vielleicht wundern, dass es kein Futter gibt, doch wenn sie versteht, dass sie mit Schmuseeinheiten rechnen kann, ist das ebenfalls eine Belohnung. Eine weitere Motivation auf ihren Namen zu hören ist darüber hinaus die Aussicht auf eine gemeinsame Spielstunde mit Ihnen.

Eine weitere Möglichkeit, positive Verstärkung in der Katzenerziehung zu nutzen, ist das Kratzen am Kratzbaum. Wenn Sie Ihre Fellnase loben und ihr ein Leckerli geben oder sie streicheln, wenn sie ihre Krallen am Kratzbaum wetzt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie für dieses natürliche Bedürfnis nicht Ihre Möbel, die Tapete oder die Vorhänge benutzt. Soll sich Ihre Katze vom Tisch oder der Küchenzeile fernhalten, können Sie ihr mit der Methode die Fensterbank oder andere Schlafplätze schmackhaft machen, indem Sie sie an diesen Stellen mit Leckerlis belohnen, sie streicheln oder loben.

Katzenerziehung bei unerwünschtem Verhalten

Was aber tun, wenn Ihre Katze etwas macht, was sie nicht soll? Woher kann sie wissen, dass sie das nicht darf? Hier kommen nun die weiteren Begriffe der Konditionierung ins Spiel, zum einen die sogenannte negative Verstärkung, zum anderen die positive und negative Bestrafung. Unter positiver Bestrafung versteht man, dass ein unerwünschtes Verhalten direkt eine unangenehme Konsequenz zur Folge hat. Ein Beispiel hierfür wäre ein Wasserspritzer aus der Sprühflasche, wenn Ihre Katze auf dem Esstisch sitzt. Diese "klassischen" Strafen sind allerdings in der Katzenerziehung sehr umstritten, da sie ungeahnte Folgen nach sich ziehen kann – Sie können nie hundertprozentig sicher sein, dass Ihr Haustier die unangenehme Folge wirklich mit ihrem von Ihnen unerwünschtem Verhalten verknüpft.

Die negative Bestrafung zielt ebenfalls darauf ab, dass Ihre Katze ein bestimmtes Verhalten seltener zeigt. Doch hier wird sie nicht aktiv bestraft, sondern indirekt, indem etwas für sie angenehmes unterbrochen wird. Kratzt oder beißt sie zum Beispiel in Ihre Hand, während Sie mit ihr spielen, unterbrechen Sie das Spiel. Oder wenn Ihre Fellnase auf der Küchenzeile liegt, setzen Sie sie herunter. Dann kommt die negative Verstärkung an die Reihe, bei der Sie eine für Ihr Haustier unangenehme Situation auflösen. Wenn sie sich beim Spielen wieder beruhigt und von Ihrer Hand abgelassen hat, geht das Spiel weiter. Nachdem Sie sie von ihrem Platz auf der Küchenzeile heruntergesetzt haben, können Sie sie zu ihren alternativen Schlafplätzen locken und sie dort belohnen. Mit genug Ausdauer, Konsequenz und Geduld gelingt auf diese Weise die Katzenerziehung ganz ohne Gewalt und harsche Worte.

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