Kastration bei Katzen

Kastrationspflicht für freilaufende Katzen: Was sagt das Gesetz?

Die Kastration von freilaufenden Katzen ist für den Tierschutz von großer Wichtigkeit. Denn nur so lässt sich die Zahl von Streunerkatzen mit der Zeit reduzieren. In manchen Bundesländern wurde daher inzwischen eine Kastrationspflicht für Freigänger eingeführt. Was genau steht dazu im Gesetz?

In Deutschland gibt es über zwei Millionen streunende Katzen – Shutterstock / Joseph M. Arseneau

In Deutschland gibt es über zwei Millionen streunende Katzen – Shutterstock / Joseph M. Arseneau

Nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen wie "Vier Pfoten" leben in Deutschland mehr als zwei Millionen streunende Katzen auf den Straßen. Und es werden immer mehr. PETA schätzt beispielsweise, dass eine einzige unkastrierte Streunerkatze in nur 7 Jahren um die 370.092 Nachkommen zeugen kann.

Verwilderte, freilebende Katzen sind aufgrund ihrer schweren Lebensbedingungen anfälliger für Krankheiten. Und da sie in der Regel nicht geimpft sind, können sich Katzenseuche, Katzenschnupfen und Co. ungehindert verbreiten. Dies gefährdet auch Freigänger-Katzen, die ein festes Zuhause haben.

Kastrationspflicht im Tierschutzgesetz

Eine bundesweite Kastrationspflicht für freilaufende Katzen gibt es zurzeit noch nicht (Stand: März 2019). Allerdings wurde das Tierschutzgesetz 2013 um den § 13b, die sogenannte Verordnungsermächtigung für die Landesregierungen, ergänzt.

In Regionen, in der zu viele streunende Katzen herumlaufen, können Länder und Kommunen eine Kastrationspflicht einführen. Ungesicherter Freigang für fortpflanzungsfähige Katzen kann von den jeweiligen Landesregierungen verboten oder eingeschränkt werden.

Im Gesetz steht außerdem, dass Katzen, die unkontrollierten freien Auslauf haben, gekennzeichnet und registriert werden müssen – etwa mit einem Mikrochip. So können Katzenhalter, die ihre fortpflanzungsfähige Katze unkontrolliert draußen herumlaufen lassen, ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden.

Streuner aufnehmen? Was für und gegen wild lebende Katzen spricht Ansehen

In welchen Regionen gibt es schon eine Kastrationspflicht?

Der Deutsche Tierschutzbund hat auf seiner Seite aufgelistet, welche Gemeinden bereits eine Katzenschutzverordnung mit Kastrationspflicht eingeführt haben. Im Februar 2019 waren das bereits 722 Städte und Gemeinden in Deutschland.

Dazu gehören sowohl ländliche Gebiete als auch Großstädte wie Köln oder Bremen. Eine grafische Übersicht dazu finden Sie ebenfalls auf der Seite vom Deutschen Tierschutzbund.

Unkastriert vermehren sich freilaufende Katzen schnell – eine Kastrationspflicht kann dagegen helfen – Shutterstock / Anna Tyurina

Unkastriert vermehren sich freilaufende Katzen schnell – eine Kastrationspflicht kann dagegen helfen – Shutterstock / Anna Tyurina

Was für eine allgemeine Kastrationspflicht spricht

Eine bundesweite Kastrationspflicht für alle freilaufenden Hauskatzen könnte die Situation für alle Samtpfoten verbessern – sowohl für Freigänger mit festem Wohnsitz als auch für Streuner.

Denn sind alle Katzen, die ein Zuhause bei Menschen haben, kastriert, können sie sich bei ihren Ausflügen nicht mit Streunerkatzen oder anderen freilaufenden Katzen paaren. Auf diese Weise kommt es seltener zu unerwünschtem Nachwuchs.

Bleibt die Größe der bestehenden Streunerkatzenpopulationen daraufhin stabil, können sich Tierschutzorganisationen, Katzenpflegestellen und andere Helfer besser um sie kümmern.

So könnten Hilfsprojekte und Initiativen zur Kastration und medizinischen Versorgung von Streunerkatzen ihr Leid noch erfolgreicher lindern und den freilebenden, verwilderten Katzen ein schöneres Leben auf den Straßen ermöglichen.

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" hat dies im folgenden Video noch einmal zusammengefasst:

Welche Hilfsprojekte gibt es zum Katzenschutz?

Der Deutsche Tierschutzbund versucht, Streunern mit seiner Katzenschutz-Kampagne zu helfen. Er betreibt Aufklärung zum Leid der Straßenkatzen und zur Kastration mithilfe von Flyern und Broschüren. Außerdem macht der Tierschutzbund mit Aufkleber-Aktionen auf die Problematik aufmerksam.

Mit Unterschriftensammlungen, dem Entwurf einer Katzenschutzverordnung und Treffen mit wichtigen Persönlichkeiten engagieren sich die Tierschützer außerdem politisch, um freilebenden Katzen zu helfen.

Die Vereine "Tasso e. V.", "Vier Pfoten" und "Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V. (bmt)" haben zudem im Jahr 2011 gemeinsam das Bündnis "Pro Katze" ins Leben gerufen. Neben Aufklärungsarbeit leisten die Tierschützer auch aktiv Hilfe.

Im Rahmen von "Pro Katze" führen die Tierschützer Kastrationen bei Streunerkatzen durch. Sie fangen die Tiere zunächst mit Lebendfallen ein. Dann kommen die Streuner zum Tierarzt, werden dort gründlich untersucht, medizinisch behandelt, zum Beispiel gegen Parasiten, geimpft – und kastriert. Außerdem werden die Tiere gekennzeichnet und registriert.

Anschließend werden die Katzen wieder freigelassen. Im englischsprachigen Raum nennt man solche Aktionen "Trap, Neuter, Return" (TNR), was soviel bedeutet wie: "Einfangen, kastrieren, zurückbringen".

Mehr Informationen zur Katzenschutzarbeit sehen Sie im Video von "Vier Pfoten":

Was kann man selbst zum Katzenschutz beitragen?

Zunächst einmal: Lassen Sie Ihre Katze kastrieren. Selbst wenn Ihre Samtpfote kein Freigänger ist, hat eine Kastration viele Vorteile für das Tier. Und so können Sie sicher sein, dass Ihre Katze keine unerwünschten Nachkommen zeugt – ob sie nun regelmäßig nach draußen darf oder einmal versehentlich aus der Wohnungshaltung entläuft.

Außerdem können Sie die Katzenschutz- und Tierschutzorganisationen in Ihrer Nähe unterstützen. Entweder mit Spenden oder, indem Sie sich selbst für Hilfsprojekte engagieren.

Und Sie können Aufklärungsarbeit leisten: Erzählen Sie anderen Katzenbesitzern, die ihre Tiere noch nicht haben kastrieren lassen, von den Gefahren wachsender Populationen herrenloser Katzen. Gleichzeitig können Sie ihren Mitmenschen auch Bedenken in Bezug auf den Eingriff nehmen, indem sie ihnen den Ablauf einer Kastration erklären.

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