Tierpsychologie

Katzenpersönlichkeit: Lässt sich der Charakter bestimmen?

Australische Wissenschaftler haben sich auf die Suche nach bestimmten Merkmalen gemacht, mit der sie die Katzenpersönlichkeit beschreiben können. Sie gingen dabei von den sogenannten "Big Five" aus, fünf Persönlichkeitseigenschaften beim Menschen, die in ihrer Gesamtheit den individuellen Charakter bestimmen.

Katzen können unterschiedliche Persönlichkeiten haben – Shutterstock / MaraZe

Katzen können unterschiedliche Persönlichkeiten haben – Shutterstock / MaraZe

In der Persönlichkeitspsychologie für Menschen hat sich inzwischen das "Big Five"- oder "Fünf-Faktoren"-Modell zur Bestimmung der Persönlichkeit etabliert. Dem Charakter des Menschen werden dabei fünf Faktoren zugeordnet, die schwächer oder stärker ausgeprägt sein können.

Charakter bestimmen: Die fünf Persönlichkeitsfaktoren

Beim Menschen werden folgende fünf Faktoren zur Persönlichkeitsbeschreibung unterschieden:

  •  Neurotizismus
  •  Extraversion
  •  Offenheit für Erfahrungen
  •  Gewissenhaftigkeit
  •  Verträglichkeit

Neurotizismus beschreibt die emotionale Stabilität oder Labilität, Extraversion steht dafür, wie zurückhaltend oder gesellig jemand ist. Ist die Offenheit für Erfahrungen schwach ausgeprägt, sind Menschen eher vorsichtig und halten sich bevorzugt an Bekanntem und Gewohntem fest; ist sie stark ausgeprägt, ist die Person neugierig, fantasievoll und künstlerisch interessiert. Gewissenhaftigkeit beschreibt, wie nachlässig oder organisiert jemand sich verhält und Verträglichkeit steht für das Ausmaß an mitfühlendem, freundlichen und kooperativen Verhalten.

Die Faktoren der Katzenpersönlichkeit

Für die Beschreibung der Katzenpersönlichkeit wurden diese Faktoren ein wenig verändert:

  • Unruhe/Nervosität (auf Englisch "Skittishness)
  • Kontaktfreudigkeit ("Outgoingness")
  • Dominanz ("Dominance")
  • Spontaneität ("Spontaneity")
  • Freundlichkeit ("Friendliness")

Unruhe beziehungsweise Nervosität bei Katzen entspricht dem Neurotizismus beim Menschen. Ist dieser Zug im Charakter einer Samtpfote stark ausgeprägt, wirkt sie ängstlich und scheu. Bei schwacher Ausprägung erweist sich die Miez als ruhig, vertrauensvoll und selbstsicher. Den Faktor Kontaktfreudigkeit bestimmten die Wissenschaftler statt Extraversion: stark kontaktfreudige Katzen sind neugierig und aktiv, weniger kontaktfreudige Schmusetiger wirken planlos und scheinen nicht recht zu wissen, was sie wollen.

Offenheit für Erfahrungen und Gewissenhaftigkeit beim Menschen wurden für die Fellnasen durch zwei katzenspezifische Faktoren ersetzt: Dominanz und Spontaneität. Sehr dominante Katzen sind eher aggressiv gegenüber Artgenossen und neigen zu Mobbing, schwach dominante Katzen sind freundlich und unterwerfen sich ihren Artgenossen schnell. Eine sehr spontane Katzenpersönlichkeit lässt das Tier impulsiv und unberechenbar erscheinen, eine unspontane Samtpfote erscheint vorhersehbar und reserviert. Schließlich wurde der Faktor "Verträglichkeit" für Katzen durch "Freundlichkeit" ersetzt. Besonders freundliche Katzen sind zutraulich und verschmust, weniger freundliche Katzen hingegen eigenbrötlerisch und leicht reizbar.

Scheu oder mutig: Was prägt die Katzenpersönlichkeit? Ansehen

So wurde die Studie zur Katzenpersönlichkeit durchgeführt

Der wesentliche Unterschied bei der Bestimmung der Katzenpersönlichkeit und der Menschenpersönlichkeit liegt darin, dass der Test für Menschen auf Selbsteinschätzung, der für Katzen jedoch auch Fremdeinschätzung beruht. Schließlich können die Miezis nicht sagen, wie sie ihren eigenen Charakter sehen. Für die australische Studie wurden demnach 2.800 Hauskatzen aus Australien und Neuseeland betrachtet und ihre Lieblingsmenschen darum gebeten, das Verhalten ihrer Fellnasen in bestimmten Situationen zu beschreiben.

Dabei konnten sie auf einer Skala von 1 bis 7 angeben, wie stark ihre Miezis in diesen Situationen zu einer bestimmten Verhaltensweise oder Reaktion neigten, ob sie beispielsweise eher tollpatschig und ungeschickt wirkten, sehr leichtsinnig auftraten oder sich als recht gesprächig erwiesen. Insgesamt wurden hierbei 52 Situationen beschrieben. Im Anschluss analysierten die Wissenschaftler die Fragebögen per Computer und fassten die Antworten zu den fünf Faktoren der Katzenpersönlichkeit zusammen, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können. Dabei zeigte sich weder ein Unterschied zwischen weiblichen Katzen und Katern, noch zwischen neuseeländischen und australischen Katzen. Lediglich zwischen jüngeren und älteren Katzen ließen sich teilweise unterschiedliche Charakterzüge erkennen. Ältere Tiere schienen dominanter und weniger kontaktfreudig zu sein als ihre jüngeren Artgenossen.

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