Gefahren

Wildunfälle vermeiden: Dies können Autofahrer tun

Die Statistiken sind erschreckend: Alle zweieinhalb Minuten kollidiert in Deutschland ein Auto mit einem Wildtier. Umso wichtiger ist es, Wildunfälle zu vermeiden, bevor sie entstehen. Was Sie tun können, insbesondere zur Herbst- und Winterzeit, wenn Reh, Wildschwein und Co. vermehrt auf den Straßen unterwegs sind, lesen Sie hier.

Rehe und andere Wildtiere treiben sich vor allem an Wald- und Feldrändern herum – Shutterstock / Erik Mandre

Rehe und andere Wildtiere treiben sich vor allem an Wald- und Feldrändern herum – Shutterstock / Erik Mandre

Ein Wildunfall ist der Alptraum eines jeden Autofahrers. Speziell zur Morgendämmerung und in den Abendstunden tauchen immer wieder Rehe und andere Wildtiere am Straßenrand auf. Da die Tiere Geschwindigkeiten von Fahrzeugen nicht einschätzen können, gehen sie häufig unbedacht auf die Straße und es kommt zum Unfall. Die Folgen können verheerend sein: Neben mehreren toten Menschen und etlichen Blechschäden pro Jahr, gibt es vor allem totes Wild – 2014 etwa starben rund 220.000 Rehe und 12.000 Wildschweine in Verbindung mit Verkehrsunfällen.

Wildunfälle: Hier besteht besonderes Risiko

Wildunfälle können grundsätzlich nahezu überall passieren. Allerdings gibt es Zeiten und Orte, wo die Gefahr einer Kollision wahrscheinlicher ist als sonst:

● An Feldrändern, Waldgrenzen und auf Waldstraßen.

● An bekannten Pfaden und in Revieren von Tieren, die in der Regel mit Warnschildern markiert sind.

● Während der Brunftzeit, die allerdings von Tier zu Tier unterschiedlich ist.

● Während der Morgen- und Abendstunden, da die Tiere hier besonders aktiv sind.

● Im Herbst, da viele Tiere hier schon nach einem Winterquartier suchen.

● Im Frühjahr, da der Berufsverkehr (ab März) wieder zur Dämmerung stattfindet.

● Generell in der dunklen Jahreszeit und nachts, da die Tiere in der Dunkelheit nur schwer zu erkennen sind und sich grundsätzlich im Dunkeln sicherer fühlen.

So können Sie Wildunfälle vermeiden

Wenn Sie Wildunfälle vermeiden möchten, ist es entscheidend, grundsätzlich immer mit erhöhter Aufmerksamkeit und möglichst geringer Geschwindigkeit zu fahren – speziell in den oben genannten Situationen, wenn die Gefahr eines Wildunfalls besonders hoch ist. Insbesondere auf Straßen, wo Warnschilder darauf hinweisen, dass erhöhte Wildaktivität besteht, sollten Sie vorsichtig sein und die Warnungen ernst nehmen sowie das Tempo reduzieren. Springt Ihnen bei einem Tempo über 80 km/h ein Wildtier vor das Auto, reicht der Bremsweg in der Regel nicht mehr aus. Bei 80 km/h haben die meisten Autos einen Bremsweg von ungefähr 55 Meter – alles darüber, endet erfahrungsgemäß in einer Kollision.

So verhalten Sie sich richtig, wenn Wild auftaucht

Können Sie aus der Entfernung Wildtiere wie Damwild oder Wildschweine am Straßenrand oder auf der Fahrbahn erkennen, sollten Sie sofort kontrolliert (!) bremsen. So können Sie im Falle eines Unfalls die Aufprallgeschwindigkeit reduzieren, was insbesondere bei schwereren Tieren wie Wildschweinen oder Hirschen lebensrettend sein kann. Ein Wildschwein etwa prallt mit circa dreieinhalb Tonnen Gewicht auf Ihr Auto, wenn Sie nur 60 km/h fahren. Weitere Maßnahmen sind Hupen, um das Tier bestenfalls noch rechtzeitig von der Straße zu treiben und das Abstellen des Fernlichts, da dieses die Tiere blendet und irritiert. Ebenfalls wichtig: Bedenken Sie, dass viele Tiere in Paaren oder Rudeln unterwegs sind – Nachzügler können unverhofft auftauchen, weswegen Sie immer besonders langsam weiterfahren sollten, wenn Sie irgendwo ein Wildtier sehen.

Wenn ein Wildunfall nicht mehr vermieden werden kann

Ist es zu spät und Sie wissen, dass der Wildunfall unvermeidlich ist, bleibt Ihnen nur noch die Vollbremsung. Drücken Sie hart auf die Bremse und halten Sie das Lenkrad fest. Auf keinen Fall dürfen Sie ausweichen, da ein Ausweichmanöver nicht selten im Gegenverkehr oder vor dem nächsten Baum endet und somit in der Regel verheerender für Sie und Ihre Beifahrer ist, als der direkte Zusammenprall mit dem Wild. Ein kontrollierter Unfall mit Tieren wie Rehen, Hirschen oder Wildschweinen ist besser als ein unkontrollierter Unfall mit anderen Verkehrsteilnehmern oder Bäumen.

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Bei Kleintieren keine Vollbremsung

Bei Kleintieren wie Igeln, Füchsen oder Hasen sieht es anders aus. Hier raten Experten von einer Vollbremsung ab, da ein möglicher Auffahrunfall dann als Ihre Schuld ausgelegt werden kann – der Gesetzgeber sieht darin eine grundlose Vollbremsung. Kontrolliertes Bremsen mit dem Fokus auf den Straßenverkehr ist hier die sicherste Variante. Auch sollten Sie vor dem unvermeidlichen Unfall mit Kleintieren auch nicht ausweichen; die Versicherungen übernehmen hier in der Regel keinen Schaden, sollten Sie in den Gegenverkehr oder vor einem Baum geraten.

Was tun nach einem Wildunfall?

Nach einem Wildunfall müssen Sie die Verletzen versorgen, die Polizei (und im Falle von Verletzten auch den Rettungsdienst) rufen und den Unfall melden, sofern es sich nicht um Kleintiere wie Igel oder Frösche handelt. Wichtig: Informieren Sie aus Tierschutzgründen auch die Polizei oder den Förster, wenn Sie ein Tier nur angefahren haben und dieses weglaufen konnte. Das Tier, ob tot oder verletzt, sollten Sie am besten aus Sicherheitsgründen in Ruhe lassen – der Revierförster wird sich später fachmännisch darum kümmern.

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